Publikationen Institut

Musik – Politik – Identität (15. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Musikforschung: Freie Referate, Band 3)

Herausgegeben von Matthew Gardner und Hanna Walsdorf. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen 2016

Musik ist immer auch Spiegel und Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Paradigmen und politisch-nationaler Identitätsdiskurse. Der vorliegende Sammelband vereint Beiträge zu historischen und gegenwärtigen Fragestellungen, die um das Verhältnis von Politik und musikalischem Schaffen kreisen.Im ersten Teil sind Beiträge zusammengefasst, die sich mit „Musikalischer Identität und politischer Realität“ befassen und dabei ideologische Zuschreibungsprozesse im Musikdiskurs thematisieren. Der zweite Teil des Bandes umfasst Betrachtungen über „(Musikalische) Konstruktionen von eigener und fremder Identität“ aus verschiedensten nationalen Zusammenhängen.

Zur Online-Ausgabe

Die Praxis der/des Echo. Zum Theater des Widerhalls

Herausgegeben von Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel und Miroslaw Kocur [Interdisciplinary Studies in Performance, Bd. 2]. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2015

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes ›eigentlichen‹ Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.

Zu Inhaltsverzeichnis und Einleitung | Zur Verlagsseite Peter Lang

Momentaufnahme Theaterwissenschaft. Leipziger Vorlesungen

Herausgegeben von Gerda Baumbach, Veronika Darian, Günther Heeg, Patrick Primavesi und Ingo Rekatzky. Berlin: Theater der Zeit 2014

Der vorliegende Band ist dreierlei: Dokument, Stellungnahme und Positionsbestimmung. Er enthält die Beiträge von namhaften Wissenschaftler/innen der deutschsprachigen theaterwissenschaftlichen Institute zu einer gemeinsamen Ringvorlesung in Leipzig. Der Anlass dafür ist ein zwiespältiger: Das Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig wurde im 20. Jahr seines Bestehens mit massiven Stellenstreichungen konfrontiert. Der Band bietet die Momentaufnahme der Forschungsansätze eines hochproduktiven und grenzüberschreitenden Faches, die in ihrer Unterschiedlichkeit und Korrespondenz von der Zukunftsfähigkeit der Theaterwissenschaft zeugen. Die Beiträge, die die Relevanz der Theaterwissenschaft unterstreichen, verteidigen deren unverzichtbare Vermittlungsfunktion innerhalb der Geisteswissenschaften und darüber hinaus gegenüber neoliberalen Logiken und einer vollständigen Ökonomisierung der Universität. Die Publikation ist ein unübersehbares Signal dieses gemeinsamen Widerstands.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, 11, 2014 // 3: Oper und Film // Opernfilm

Herausgegeben von Hanna Walsdorf, Tarek Krohn, Willem Strank et al., Kiel 2014.

Schon bevor der Film sprechen lernte, fand die Oper ihren Weg auf die Leinwand – in seiner Verfilmung von Georges Bizets CARMEN (1918) ließ Ernst Lubitsch gleichwohl Stummfilmschauspieler dem Libretto gemäß agieren. Die Bandbreite an Filmgenres, die sich der Oper als theatraler Gattung, als gesellschaftliches Ereignis oder soziales Attribut bedienen, ist spätestens seit Beginn der Tonfilmära kontinuierlich gewachsen und reicht von Komödien wie A NIGHT AT THE OPERA (1935) über Opernfilme wie Walter Felsensteins FIDELIO (1955) oder Franco Zeffirellis LA TRAVIATA (1982) bis hin zu Produktionen wie Jonathan Demmes PHILADELPHIA (1993) oder Woody Allens Film TO ROME WITH LOVE (2012). Musik aus Opern, die hier als soziales, emotionales oder auch satirisches Narrativ eingesetzt wird, bereichert dabei die Bildebene um das, was sie in ihrem originären Kontext bedeutet und eröffnet Interpretationsräume, die weit über die eigentliche Filmhandlung hinausweisen.

In der elften Ausgabe der Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung widmen sich die Autoren den unterschiedlichen Aspekten der Synthese von Film und Oper und decken dabei eine filmhistorische Palette ab, die von den Experimenten der Stummfilm-Ära bis zur Rolle des Films in modernen multimedialen Operninszenierungen reicht.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Download

Reenacting History: Theater & Geschichte

Herausgegeben von Günther Heeg, Micha Braun, Lars Krüger und Helmut Schäfer. Berlin: Theater der Zeit, 2014.

"Reenacting History: Theater & Geschichte" stellt die Frage nach der Erscheinung und Erfahrung der Vergangenheit in vielfältigen Formen des künstlerischen Reenactments und blickt dabei umfassend auf das Verhältnis von Theater und Geschichte. An zeitgenössischen Theaterproduktionen, Stücken sowie populären und künstlerischen Reenactments, an historischen Dramen und Aufführungspraktiken sowei philosophischen Konzepten untersuchen die Autorinnen und Autoren die prekäre Figur des "Dramas der Geschichte", gehen dem Verhältnis von Lebens-Geschichte und Szene nach und analysieren die Aufführung der Geschichte im Horizont eines Theaters der Wiederholung. Sie begreifen Theater als einzigartigen Ort der Aushandlung und Aneignung der Vergangenheit und erkunden "Geschichte in Zukunft" im Medium des Theaters.

Zum Inhaltsverzeichnis | Zur Verlagsseite Theater der Zeit

Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte

Herausgegeben von Veronika Darian, Micha Braun und Jeanne Bindernagel. Open access-Publikation 2013.

Die Nymphe Echo ist im antiken Mythos eine begabte Erzählerin, der wie so vielen ein grausames Los widerfährt. Weil sie Juno/Hera durch ihren Wortschwall von den Amouren ihres Gatten Jupiter/Zeus ablenkte, wird sie mit dem Entzug der eigenen Rede bestraft: Nur mehr fähig, die letzten Worte ihres Gegenübers zu wiederholen, ist sie verdammt zum ohnmächtigen Widerhall fremden Ausdrucks. So wird die Nymphe Echo zum Sinnbild eines vom Anderen abhängigen Wesens. Es fehlt ihr das vermeintlich Originäre. Doch birgt der Widerhall in sich mehr als die reine Wiederholung des Vorgängigen, mit Derrida gesprochen verweist er auf das Moment der Verschiebung und Zergliederung eigentlichen Ausdrucks, des Widerstands innerhalb der Iteration. In der zunehmend körperlosen Stimme der Echo scheint all das auf, was das Wiederholte als Wiedergeholtes nicht mehr zu verdecken vermag: das Entgleiten des Sinns, die Position der Sprechenden, die Medialität der Kommunikation, die Rauheit der Stimme, die Ambivalenzen der Aneignung, die Grenzen der Mitteilbarkeit und das Risiko der Endlichkeit. Echo lässt sich entsprechend nicht allein als unwillentliche und unmittelbare Reaktion verstehen, sondern drängt sich als eigene Praxis spürbar auf – als Widerstand, Verweigerung, sogar Streik.

In der Online-Publikation finden sich neben den Beiträgen des gleichnamigen Symposiums auch Arbeits- und Diskussionsergebnisse, eigene künstlerisch-wissenschaftliche Produktionen sowie eine ausführliche Projektdokumentation.

Zur Projektseite sowie der Online-Publikation.

Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 1 Schauspielstile

Von Gerda Baumbach. Leipzig: Universitätsverlag 2012

Schauspieler regen unsere Phantasie an. Wie machen sie das? Nicht immer gleich. Weder Mensch noch Schauspieler erschöpfen sich in scheinbar ewig währender Beständigkeit und Gleichförmigkeit. Aus historischen und kulturellen Vergleichen treten erhebliche Unterschiede der Auffassungen vom Menschen sowie vom Schauspieler und seinem Tun hervor. Theorien über den Schauspieler entstehen in Folge anthropologischer Konzeptionen und Menschenbilder so wie umgekehrt Schauspielen an Menschenbildern mitwirkt oder diese hinterfragt und in praxi umspielt.
Die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert dominante Übereinkunft vom Schauspieler als Menschendarsteller wirkt weiter. Doch in Gegenwart und Vergangenheit ist die Praxis vielfältig. Verzauberung, Vergnügen und Faszination sind nicht verflogen. Was also ist Schauspielen?
Das Buch legt in Stichproben seine Vielfalt offen und beschreibt drei historische Schauspielstile, die in Wechselbeziehung mit Seinsweisen und anthropologischen Konzeptionen zur Geltung kamen.
Seit der Theatermoderne des 20. Jahrhunderts gibt es in Folge des als fragil anerkannten Subjekts Rückgriffe auf historische Stile, nun in vielfachen Kombinationen, Mischungen oder Synthesen. Das Erinnern an die Schauspielstile und damit an verschiedene Verfahren des Erkennens und Wissens von menschlichem Sein kann gerade für die Schauspielerpraxis in der Gegenwart hilfreich sein. Der Weg des Erinnerns führt zur Suche nach einem eigentümlich »Schauspielerischen«, das lange Zeit als des Teufels galt.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Zu Rezensionen

Die politische Bühne. Ballett und Ritual im Jesuitenkolleg Louis-le-Grand 1701–1762

Von Hanna Walsdorf. Erschienen bei Königshausen & Neumann 2012

Die öffentlichen Ballettaufführungen des Pariser Jesuitenkollegs Louis-le-Grand waren im 17. und 18. Jahrhundert ein wahrer Publikumsmagnet. Im Rahmen des alljährlichen Preisverleihungsrituals zum Schuljahresabschluss im August wurde hier auf so hohem Niveau getanzt, dass man den Vergleich mit der Académie royale de musique nicht zu scheuen brauchte – schließlich waren die professionellen Tänzer, Choreographen und Komponisten derselben an den Produktionen für die Jesuitenschule maßgeblich beteiligt. Anhand der bislang kaum beachteten Ballettszenarien des 18. Jahrhunderts wird in dieser Studie erstmals systematisch untersucht, wie dabei Tugenden und Werte im Sinne jesuitischer Pädagogik vermittelt wurden und wie sich politische Implikationen manifestierten: Der Topos der Nation wuchs im Laufe der Jahrzehnte auch in den Balletten für Louis-le-Grand zu einer politischen Größe heran. So spannen die Ballette mit ihren Zeitkommentaren und tagesaktuellen Bezügen in der Gesamtschau einen großen narrativen Bogen, anhand dessen sich die Geschichte Frankreichs nacherzählen lässt – und die des Verhältnisses der Jesuiten zu König, Land und dem theaterfeindlichen Jansenismus, dessen Vertreter für die Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich 1762 mit verantwortlich waren.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Globalizing Areas, kulturelle Flexionen und die Herausforderung der Geisteswissenschaften

Herausgegeben von Günther Heeg und Markus A. Denzel. Unter Mitwirkung von Jeanne Bindernagel. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2011

Die Dynamiken der Globalisierung stellen Gesellschaften auf der ganzen Welt vor komplexe Herausforderungen des menschlichen Zusammenlebens. Hybride Lebenswelten, geprägt von inneren Spannungen und Konflikten, scheinen den oft beschriebenen Gefahren soziokultureller Desorientierung, Fundamentalisierung und drohender kriegerischer Zusammenstöße von Kulturen nahezu zwangsläufig zu erliegen. Der Leipziger Forschungsverbund „Globalizing Areas. Kulturelle Flexionen von Zeiten und Räumen“ sucht nach Alternativen zu diesem Modell. In historischen und an der Gegenwart orientierten Untersuchungen arbeitet es an einem Grundlagen- und Lebenswissen im Umgang mit dem Anderen und Fremden. Das Konzept der kulturellen Flexionen ermöglicht es, die Voraussetzungen und Chancen des transkulturellen Zusammenlebens neu wahrzunehmen, zu analysieren und zu überdenken.
Die Beiträge untersuchen Konzepte und Künste des Handelns, mittels derer die Verflechtung von Zeiten und Räumen in globalisierten Welten kreativ angeeignet zum Ausgangspunkt kultureller Neuorientierungen werden kann.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

In Figuren erzählen. Zu Geschichte und Erzählung bei Peter Greenaway

Von Micha Braun. Univ.-Diss., Universität Leipzig, 2011.
Bielefeld: Transcript, 2012.

Manche Filme schreiben Geschichte – Filme von Peter Greenaway hingegen fordern
die Geschichtsschreibung heraus.
Micha Brauns Studie untersucht Formen der Geschichtserzählung in ausgewählten Werken Greenaways und stellt sie kenntnisreich in einen kulturhistorischen Kontext. Im Zentrum der Lektüren steht die Figur Tulse Luper, deren Lebens-Geschichte in immer neuen Rekonstruktionen erscheint. Ihre ambivalente Position zwischen Erzähler, Plot und Betrachter stellt Wahrnehmungsmuster von Raum und Zeit, von Bildkomposition und Kontinuität infrage. Wie aber kann eine Aneignung der Vergangenheit im Medium des Films gelingen? Und was bedeutet dies letztlich für unser »Bild« von der Geschichte?

Inhaltsverzeichnis & Einleitung | Zur Verlagsseite Transcript

Das Theater der Bildbeschreibung. Sprache, Macht und Bild in Zeiten der Souveränität

Von Veronika Darian. Univ.-Diss., Universität Leipzig, 2007. München: Fink Verlag 2011

Die in der Antike entstandene Gattung der Bildbeschreibung (gr. Ekphrasis) und eines der meistbesprochenen Werke der Kunstgeschichte, Diego Velázquez’ »Las Meninas«, treffen aufeinander. Das Ergebnis ist eine luzide Studie zum spannungsvollen Verhältnis von Bild, Sprache, Theater und Macht in der Zeit des barocken Absolutismus.

Das stumme Bild und die blinde Sprache sind in der Kunst- und Kulturgeschichte des Abendlandes von Anbeginn in einem kämferischen Konkurrenzverhältnis befangen. Der Wettstreit um die eigene Vorrangstellung ist indessen nicht selten verbunden mit der Indienstnahme durch die jeweiligen Herrschaftsform. Das ›Theater der Bildbeschreibung‹ bietet von seinen rhetorischen Anfängen bis zur gegenwärtigen Aporie nicht nur einen Einblick in herrschaftliche Machtstrukturen. Es eröffnet auch die Frage nach dem subversiven Protenzial der sich ‚befreienden‘ Künste selbst. Bemerkenswert ist, wie dabei zusehends der Künstler und seine Kunst den Souverän von seinem angestammten Platz zu verdrängen beginnen.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Auf dem Weg nach Pomperlörel – Kritik »des« Theaters (Hg.)

Herausgegeben von Gerda Baumbach. Leipzig: Universitätsverlag 2010 [Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung, Bd. 2]

Dieser Band ist gewidmet dem Andenken an den Theaterhistoriker Rudolf Münz und präsentiert dessen letzten Aufsatz aus dem Jahre 2006, der die Probleme der Theater(geschichts)wissenschaft bilanziert und für Deutschland thematisiert.
Der Titel „Auf dem Weg nach Pomperlörel“ verweist auf einen Pfad der Phantasie zum theaterhistorischen Gesamtfeld Natur/Mythos – Historie/Geschichte: auf den Spuren traditioneller Theaterfiguren schreiben die Autoren die Kritik »des« Theaters (als Drama, Aufführung etc.) fort. Der Band versammelt Aufsätze bekannter europäischer Theaterhistoriker und vielversprechende Beiträge von Nachwuchswissenschaftlern.
Die Studien führen zu Variantenreichtum und Gefügen europäischen Theaters. Sie ermöglichen Begegnungen mit der weithin unbekannten deutschen Comödie mit Hanswurst, mit dem europäischen Spielraum der italienischen Comödie und ihrer Figuren, mit dem Ende von Traditionen, aber auch mit deren Fortleben bei Nestroy oder ihrer Wiederbelebung durch Meyerholds (Re-)Konstruktion der Schauspielkunst, mit Berninis Schaffen zwischen dem Theater des Papstes und dem zentralperspektivischen Kunsttheater im barocken Rom, mit den verschwiegenen und stillen Familienverhältnissen der Oper und mit der vergessenen Kultur- und Theatergeschichte im Umfeld von Maske und Person(a) sowie mit den Verwandtschaften des Don Juan und ihrem Platz beim Gastmahl mit den Toten.
Themen wie diese verdanken sich neuen Wegen der Theaterhistoriographie, die sich aus dem Umdenken nach 1968 eröffnet hatten und seither weitergegangen werden. Sie verstehen sich als Versuche, die Überlieferung an ihre aktuelle Brisanz zurückzubinden.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Zu Rezensionen

Tanz vermittelt – Tanz vermitteln. Tanzforschung 2010

Herausgegeben von Hanna Walsdorf und Helga Burkhard. Berlin: Henschel 2010

Tanz wird in vielerlei Kontexten gelernt und gelehrt, aufgeführt und aufgenommen. Wie und wodurch aber wird das Körper- und Bewegungswissen vermittelt? Die in diesem Band versammelten Beiträge sind breit gefächert und beleuchten aus historischer, ästhetisch-künstlerischer, pädagogischer und therapeutischer Perspektive die verschiedenen Möglichkeiten der bewegten und bewegenden Kommunikation. Die Betrachtungsansätze reichen dabei vom Bühnentanz des 19. Jahrhunderts und das Rollenverständnis im Gesellschaftstanz über die Tanzvermittlung in Schule und öffentlichem Raum bis hin zur analytischen Bewegungstherapie.

Der Band dokumentiert das Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung an der Fakultät für Sportwissenschaft der Technischen Universität München vom 23.–25. Oktober 2009.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Bewegte Propaganda. Politische Instrumentalisierung von Volkstanz in den deutschen Diktaturen

Von Hanna Walsdorf. Erschienen bei Königshausen & Neumann 2010

Seitdem sich die Forschung im ausgehenden 19. Jahrhundert dem Volkstanz zugewandt hat, sind vielerlei Definitionen desselben formuliert, revidiert und präzisiert worden. Die Ansichten darüber, was denn Volkstanz eigentlich sei, gingen und gehen dabei weit auseinander. ‚Volkstanz‘, das war und ist eine durchlässige Größe, und entsprechend groß fällt die allfällige Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit aus. So ist jener überaus uneinheitlich definierte ‚Volkstanz‘ immer irgendwie politisch und kann nur in seinem historischen Kontext verstanden werden. Mit dem ‚Dritten Reich‘ und der Deutschen Demokratischen Republik nutzten zwei – zugespitzt formuliert – ideologisch konträre Regimes mit dem Volkstanz dasselbe Mittel zur Inszenierung und politisch-ideologischen Manipulation der Volksgemeinschaft bzw. Volksmasse. Die vorliegende Studie untersucht die konkreten Bezüge zwischen Körperbildern und politischer Ideologie, Massenveranstaltungen und nationaler Gemeinschaft, fragt nach dem Einfluss des Diskurses um diese Denkfiguren und kulturellen Praktiken auf den Volkstanz und analysiert die Begriffsentwicklungen in den beiden Untersuchungszeiträumen. Damit werden nicht nur evidente Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgefiltert und durchleuchtet, sondern im Ergebnis auch Kontinuitäten zwischen den beiden untersuchten Systemen aufgezeigt.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Theatrographie: Heiner Müllers Theater der Schrift

Herausgegeben von Günther Heeg und Theo Girshausen. Berlin: Verlag Vorwerk 8 2007

Was bleibt, sind »Texte, die auf Geschichte warten« (H. Müller) Der vorliegende Band fokussiert das Werk Heiner Müllers unter dem Blickwinkel der »Praxis der Texte« (Julia Kristewa). Dieser Ansatz trägt dem besonderen Schreibprozess Rechnung, den Müllers Manuskripte verzeichnen: Müller hat, oft über Jahre hinweg, Textpassagen, intertextuelle Bezüge, intermediale Verweise und Kommentare gleichsam wie ein Theaterregisseur in szenisch-graphischen Konstellationen angeordnet, die er immer wieder änderte und neu montierte. Noch bevor sich so von einer fertigen, endgültigen ›Fassung‹ eines Textes, einem ›Stück‹ sprechen ließe, das dann auf dem Theater inszeniert werden könnte, ist Theatralität bereits in den Vorgang seines Schreibens eingewandert und zersetzt dort die Gestalt des literarischen Werks und den darin inkorporierten Glauben an verbürgten dramatischen Sinn. Die Auflösung des Werks in der Performativität des Schreibens und die Verschränkung von Schrift und Theater in Müllers Schreiben, Müllers ›Theater der Schrift‹, fordern neben Editoren, Literatur-, Kultur- und Theaterwissenschaftlern eben auch das Theater selbst: die Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler, in besonderer Weise heraus.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Das provozierte Versehen: Kunst und Leben des Squat Theatre

Von Martina Bako. Univ.-Diss., Universität Leipzig, 2005. Saarbrücken: Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften. Saarbrücken 2009

Das Lebens- und Theaterkonzept Squats manifestiert sich darin, den theatralen Raum im existentiellen und ideellen Raum des konkreten und gemeinschaftlichen Lebens zu finden, das private Leben als Theater-Variante des Lebens zu verstehen. Die Autorin untersucht historisch wie künstlerisch die verschiedenen Ebenen des Ineinanderspielens von Kunst (Theater) und Leben, deren wechselseitige Verkehrung in unmittelbarer Kommunikation mit den Zuschauern in Szene gesetzt, in den verschiedensten Schaffensphasen des Squat Theatre. Durch wohl verstandene Rekonstruktion sämtlicher noch dokumentierbarer Produktionen wird die spezifische Logik veranschaulicht, die der Arbeit der Gruppe zu jeder Zeit gefolgt ist und in den einzelnen Realisationen zugleich die Zugehörigkeit zur Kultur- Geschichte ihrer Zeit aufweist. Das provozierte Versehen gehört wie der Einbruch der Realität in die Kunst und das diffizile Spielen mit den Zeichen der Maske in der Moderne zu den herausragenden Charakteristika des Wohnungstheaters in Budapest wie des Schaufenstertheaters in Westeuropa und den USA.

Zum Verlag

Verhaltene Beredsamkeit? - Politik, Pathos und Philosophie der Geste

Herausgegeben von Veronika Darian. Unter der Mitarbeit von Katharina Polster, Michael Wehren und Hilke Werner. Frankfurt am Main [u.a.]: Peter Lang 2009

Gesten sind Teil unseres Alltags, unseres Verhaltens gegenüber anderen, unseres sozialen und kulturellen Umfeldes und darüber hi-naus der gesamten medial vermittelten Welt. Gesten sind nicht zuletzt auch deshalb als komplexes Moment der Künste und der Wissenschaften zu begreifen, die sie ihrerseits aufnehmen, widerspiegeln und zu ergründen suchen. Denn Gesten bergen die inhaltliche Herausforderung ebenso wie die formale. Auf der Grundlage des gleichnamigen Symposiums, das im Winter 2006 im Rahmen eines internationalen Ausstellungsprojektes in den Räumen der Oper Leipzig stattfand, entstand das vorliegende Buch mit Beiträgen aus den verschiedenen Künsten und Wissenschaften. Jeder einzelne widmet sich aus jeweils eigener Perspektive sowohl der Politik der Gesten als auch dem Schreiben bzw. der Lektüre der Geste sowie jenem Rest, der in den Programmen, Strategien und Praktiken des Gestischen nicht aufgeht.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Kinder der Nibelungen / Klaus Heinrich und Heiner Müller im Gespräch mit Peter Kammerer und Wolfgang Storch

Herausgegeben von Günther Heeg und KD Wolff. Frankfurt am Main: Stroemfeld 2007

Die Faszination der Nibelungen. Klaus Heinrich und Heiner Müller im Gespräch mit Wolfgang Storch (September 1987); "Die Nation beerdigen..." - Klaus Heinrich im Gespräch mit Peter Kammerer (November 2002); B.K.Tragelehn: Der letzte Versuch. In memoriam Heiner Müller.

Aus dem Vorwort: Die beiden Gespräche, die Klaus Heinrich mit Heiner Müller und über ihn geführt hat und mit deren Veröffentlichung wir Klaus Heinrich zu seinem 80. Geburtstag gratulieren, handeln von den Nibelungen und der Notwendigkeit, die Nation zu beerdigen - also von Deutschland. Der Blick, der darauf geworfen wird, ist alles andere als germanozentrisch verengt, seine Perspektive ist die Geschichte der Gattung. Das erste Gespräch wurde vor 20 Jahren, das zweite vor fünf Jahren geführt. Die Texte sind zeitgebunden-unzeitgemäß, also an der Zeit. Ihr Fluchtpunkt ist die Gegenwart und das, was kommt.

Zum Inhaltsverzeichnis

Die Ballets Russes auf biblischen Pfaden. Von der Josephslegende zum Verlorenen Sohn

Von Hanna Walsdorf. Erschienen bei Books on Demand 2007

Als große Publikumserfolge der Ballets Russes stehen die Josephslegende (1914) und der Verlorene Sohn (1929) für die ungebrochene Aktualität biblischer Lehren - die bis heute währende Rezeptionsgeschichte und die vielen Neuauflagen beweisen die anhaltende Gültigkeit ihres Inhalts ebenso wie diejenige der Choreographien Fokines und Balanchines als Meilensteine der Ballettgeschichte, auf die noch immer rekurriert wird. Hanna Walsdorf nimmt das intermediale Geflecht von Bibeltext und Libretto, aus Musik, Bühnen- und Kostümgestaltung sowie den choreographischen Konzepten Fokines und Balanchines in den Fokus. Anhand der Frage, wie und in welchem Maße diese einzelnen Bausteine aufeinander und insbesondere auf den Bibeltext Bezug nehmen, wird der Diskrepanz zwischen Ausgangstext und seiner interpretierenden Übersetzung in Tanz nachgespürt.

Zum Verlag

Mind the Map! History Is Not Given

Herausgegeben von Günther Heeg, Marina Grzinic und Veronika Darian. Frankfurt am Main: revolver 2006

"Mind the Map! - History Is Not Given" möchte eine Diskussionsplattform zu Kunst- und Kulturproduktionen schaffen, die an den Schnittstellen östlicher und westlicher Kunstrealitäten in Europa angesiedelt ist. Unser Ausgangspunkt ist das "East Art Map" Projekt des slowenischen Künstlerkollektivs IRWIN. Es spürt der Geschichte der Kunstwerke und -prozesse im Territorium des östlichen Europa von den 1920ern bis heute nach. Das Ergebnis ist eine Karte mit Hunderten von Kunstwerken und künstlerischen Beziehungen in Zeit und Raum. IRWINS Impuls wiederum wurde von relations, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, aufgegriffen: In einer zweiten Phase wurden acht Universitätspartner aus mehreren europäischen Städten zur Zusammenarbeit eingeladen. Sie nähern sich dem Projekt aus drei verschiedenen Perspektiven: der kunsthistorischen Perspektive, der Perspektive der Kultur- und Sozialwissenschaften, die den Diskurs um einen allgemeineren kulturellen, politischen, sozialen und medialen Hintergrund erweitert und einer performativen Perspektive, die Dramaturgie, Performance und kulturelle Interventionen umfasst.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Stillstand und Bewegung: Intermediale Studien zur Theatralität von Text, Bild und Musik

Herausgegeben von Günther Heeg und Anno Mungen. München: epodium 2004

‹Stillstand› und ‹Bewegung› markieren die Pole, in deren Spannungsfeld die wechselseitige intermediale Anziehung von Text, Bild und Musik immer neue Gestalt annimmt. Als diente die Grenze, die Lessings Laokoon zog zwischen den Künsten, die dem Stillstand unterliegen und jenen, die der Bewegung unterworfen sind, keinem anderen Zweck, als die Attraktivität des jeweils ‹jenseitigen› Mediums zu erhöhen und die Herausforderung ihrer Verbindung und Vereinigung anzunehmen. Was der poetische Text und die Sprache nicht sagen können, davon soll die Musik reden, wovon beide schweigen, davon kann das Bild eine Vorstellung geben. Die intermediale Symbiose der Künste im Gesamtkunstwerk zielt auf Totalität. Die Kehrseite dieses Anspruchs ist die Brechung und Entwertung des Eigensinns der Künste, die Verkennung ihrer Medialität und Theatralität. Beide Begriffe definieren sich über die Beziehung zum Abwesenden. Medialität exponiert die Bestimmung und Grenze jedes Mediums: Mittler! zu sein. Kein Mittler aber kann ganz und gar vergegenwärtigen, was er zu vermitteln trachtet. Vor dem Abgrund des prinzipiell Abwesenden fokussiert Theatralität den hervorgehobenen Vorgang der Vermittlung, die besondere Weise und Konstellation des Erscheinens von Text, Bild und Musik, kurz: die Gegenwärtigkeit der Künste als Medien. Medialität und Theatralität so verstanden wirken der total(itär)en Verschmelzung der Künste im Gesamtkunstwerk entgegen und geben ihnen ihre Eigenständigkeit zurück. Sie vergrößern den Abstand zwischen ihnen und eröffnen einen Zwischenraum, in dem sich neue Möglichkeiten des intermedialen Austauschs von Text, Bild und Musik, von Stillstand und Bewegung abzeichnen.

Zum Verlag

Theaterkunst & Heilkunst. Studien zu Theater und Anthropologie (Hg.)

Herausgegeben von Gerda Baumbach. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2002

Eine Reisebeschreibung der Stadt Leipzig aus dem Jahre 1769 berichtet von den "Merkwürdigkeiten" vor dem Peterstore, wo es zur Messe wie in einem "Lustlager" zugehe. Den Ärzten und ihrem Comödienspiel sei aber eine gewisse Nützlichkeit, gerade in einer Universitätsstadt mit ihren vielen Melancholikern und Hypochondristen, nicht abzusprechen. Solchen "Ärzten" wurde der Medikamentenhandel gestattet, das "comoedien-spil" hingegen immer erneut verboten, obwohl gerade dieses Bestandteil ihrer Kuren war. In der Verbindung mit Heilkunst liegt eine der Quellen für das Entstehen der berufsmäßigen Schauspielkunst im 16. Jahrhundert in Europa. Dieses Buch geht in Einzelstudien dem eigentümlichen Zusammenhang von Heilen und Schauspielerei nach, der bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts praktiziert wurde, und zieht auch außereuropäische Vergleiche heran. Es ist ein Feld, auf dem Medizin, Theater und Religion in einem weiten Sinne ineinander greifen.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Zu Rezensionen

Klopfzeichen aus dem Mausoleum: Brechtschulung am Berliner Ensemble

Von Günther Heeg. Herausgegeben von Stefan Schnabel. Berlin: Verlag Vorwerk 8 2000

Festgegossen in Bronze hockt er im Kreidekreis vor dem Berliner Ensemble: Bertolt Brecht, der Jahrhundertautor, ist begraben im ehernen Denkmal seiner selbst. Seit der Intendanz Heiner Müllers machte sich ausgerechnet das vielgescholtene Berliner Ensemble an die Herkulesaufgabe, den Klassiker aus seinem Mausoleum zu befreien und als zeitgenössischen Autor wiederzuentdecken. Anläßlich des 100. Geburtstages Brechts wurde die kritische Auseinandersetzung mit Brecht auf der Bühne des Berliner Ensembles durch die Vortrags- und Diskussionsreihe «Brechtschulung» begleitet.

Zum Verlag

Das Phantasma der natürlichen Gestalt. Körper, Sprache und bild im Theater des 18. Jahrhunderts

Von Günther Heeg. Frankfurt am Main: Stroemfeld 2000

„… eine theaterhistorische Untersuchung, die brillant die Debatten um die Theaterreform im 18. Jahrhundert auf neue und neueste Fragestellungen der Theatertheorie bezieht. Sie hat alle Chancen, zu einem vielbedeutenden, vielbenutzten und diskutierten Referenzbuch zum Theater des 18. Jahrhunderts zu werden.“

Hans-Thies Lehmann

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Zur Rezension

Seiltänzer und Betrüger? Parodie und kein Ende. Ein Beitrag zur Geschichte und Theorie von Theater

Von Gerda Baumbach. Tübingen, Basel: Francke Verlag 1995
(zugl. Habil.-Schr., Universität Wien 1993)

Zum Inhaltsverzeichnis

Zum Verlag

Die Wendung zur Geschichte. Konstitutionsprobleme antifaschistischer Literatur im Exil

Von Günther Heeg. Stuttgart: Metzler 1977

Die Geschichtsauffassung der deutschen Volksfront im Exil der Jahre 1933 bis 1938 ist zum einen Produkt der internationalen Situation im sozialistischen Lager, zum anderen wird sie durch die zur Verfügung stehenden Bündnispartner, in erster Linie die bürgerlichen Intellektuellen und die seit 1933 spekulativ gewordene "ganze Nation" bestimmt. Die exilierten Intellektuellen lenken ihr Augenmerk auf die Geschichte der Freiheitsbewegungen in Deutschland, weil sie mit dem geschichtlich noch nicht Aufgegangenen, dem uneingelöst vernünftigen "Rest" am ehesten ein kulturpolitisches Kampfmittel gegen den Nationalsozialismus in Händen zu halten glauben. Diese Konstellation wird anhand der Reaktion bürgerlicher Antifaschisten wie Heinrich und Klaus Mann auf 1933, anhand der sozialistischen Perspektive bürgerlicher Schriftsteller während des I. Allunionskongresses der Sowjetschriftsteller 1934, der Humanismusdebatte im "Wort" und den kulturpolitischen Forderungen des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale sowie der Brüsseler und Berner Konferenzen der Kommunistischen Partei Deutschlands untersucht. In einer Fülle von Einzelanalysen des literarischen und des theoretischen Verständigungsprozesses zeigt Günther Heeg die Grenzen und die Möglichkeiten des intendierten "Praktischwerdens" der deutschen Exilliteratur.

Zum Inhaltsverzeichnis

Zur Rezension