Veranstaltungsreihe zur Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig am Centre of Competence for Theatre (CCT) an der Universität Leipzig

Ändere die Welt, sie braucht es

DIE GRENZEN DES MÖGLICHEN ERWEITERN
Gespräch mit der Bertolt Brecht Gastprofessorin Helena Waldmann

Donnerstag, 29. November 2018, 19.30 Uhr
Ost-Passage Theater
Konradstr. 27, 04315 Leipzig

Wir laden herzlich ein zum Gespräch von Helena Waldmann, der aktuellen Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am Centre of Competence for Theatre (CCT) der Universität Leipzig, mit Heike Faude, der langjährigen Leiterin des Festivals Kulturarena sowie des Tanzfestivals Theater in Bewegung in Jena und neuen kaufmännischen Geschäftsführerin des Theaterhauses Jena, und dem Leipziger Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Patrick Primavesi, zugleich Direktor des Tanzarchiv Leipzig e.V.

Helena Waldmann ist eine der bedeutendsten freien Tanzregisseurinnen des europäischen Gegenwartstheaters. Ihre Choreographien entstehen und touren weltweit. Die Themen ihrer Arbeiten reichen von der erschreckend anarchischen Freiheit der Demenz (revolver besorgen, 2010) und vom lustvollen Spiel mit Abhängigkeiten (BurkaBondage, 2009) bis zum anarchischen Fest gegen die Arbeitsdiktatur der Leistungsgesellschaft (feierabend! – das gegengift, 2008). Waldmanns Stücke entstehen in Dhaka, Tokyo, Kabul, aber auch in Teheran, wo sie äußerlich eingeschränkte, aber umso souveränere Frauen in islamischen Staaten feiert (Letters from Tentland – dance under cover, 2005) und die Antworten auf die europäische Asylpolitik durch iranischen Exilantinnen inszeniert (return to sender – Letters from Tentland, 2006). Sie arbeitete in Ramallah mit Menschen, die tanzen müssen, um unter den Umständen der Blockade nicht verrückt zu werden (emotional rescue, 2006) und in Salvador de Bahia, wo sie für ihre von Fremdbestimmung gefangenen Wesen (Headhunters, 2003) den Theaterpreis der UNESCO erhielt.

Waldmanns Choreographien ziehen im Sinne Brechts Parallelen zwischen sozialen und künstlerischen Bedingungen von Produktion, (Selbst-)Ausbeutung und (unfreiwilliger) Zugehörigkeit zu sozialen oder nationalen Gruppen. Für ihre Inszenierung Made in Bangladesh (2014), welche die Lebenswelten von Näherinnen in Südasien in Analogie zum Tänzerprekariat in der westlichen Welt brachte, wurde sie für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2015 nominiert. Zuletzt untersuchte sie mit Tänzern, Akrobaten und 22 Mauerbauern das Ansehen des Passes in Hinblick auf die Bewegungsfreiheit, die er garantiert oder nimmt (Gute Pässe Schlechte Pässe, 2017).

Weitere Informationen zur Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig auf der Webseite des CCT.

 

 

Vergangene Veranstaltungen in der Reihe:

FREMDE STIMMEN. Theatermachen in der (japanischen) Gegenwart — Bertolt Brecht Gastprofessor Motoi Miura im Gespräch

Montag, 2. Juli 2018, 19.30 Uhr
Ost-Passage-Theater
Konradstr. 27, 04315 Leipzig

Motoi Miura ist einer der bedeutendsten Regisseure des japanischen Gegenwartstheaters mit internationaler Wirkung und Ausstrahlung. Er leitet seit 2001 die japanische Theatergruppe CHITEN („Ort“, „Platz“) in Kyoto und ist mit ihr durch Gastspiele u.a. in Moskau, St. Petersburg, London, Frankreich und Deutschland hervorgetreten.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Steffi Richter (Ostasiatisches Institut, Uni Leipzig) und Prof. Dr. Günther Heeg (CCT, Uni Leipzig) wird Motoi Miura über eigene Inszenierungen und die Bedingungen unabhängigen Theatermachens in Japan und Deutschland sprechen.

 

Bertolt Brecht Gastprofessor Peter Konwitschny im Gespräch mit Bettina Bartz und Günther Heeg

Donnerstag, 11. Januar 2018, 19.30 Uhr
im Großen Saal der Schaubühne Lindenfels,
Karl-Heine-Straße 50, 04229 Leipzig

Seit Jahrzehnten prägen die Inszenierungen von Peter Konwitschny das zeitgenössische Musiktheater. Was ist das Besondere an seiner künstlerischen Herangehensweise? Welche Kontroversen lösen seine Inszenierungen aus? Wie ist sein Verhältnis zu Bertolt Brecht? Im Gespräch mit Peter Konwitschny gehen die Dramaturgin Bettina Bartz und der Theaterwissenschaftler Günther Heeg, CCT diesen Fragen an ausgewählten Inszenierungen nach.

Die Bertolt Brecht Gastprofessur wurde mit Unterstützung der Stadt Leipzig zum Wintersemester 2017/18 am Centre of Competence for Theatre der Universität Leipzig eingerichtet. Peter Konwitschny tritt als erster diese Professur an, welche regelmäßig durch herausragende Vertreter zeitgenössischer künstlerischer Praxis besetzt wird.