Dr. Hanna Walsdorf

Performative Lernkulturen. Ritual - Tanz - Theater

Herausgegeben mit Karin Polit. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2016.

Kann Wissen auch durch Bewegungen in Ritual, Tanz oder Theater weitergegeben werden? Welcher Art ist dieses Wissen, das mehr an körperliche Bewegung als an Sprache gebunden ist, und wie wird es erlernt? Der interdisziplinär konzipierte Band zeigt, wie performative Praxis und rituelle Lernprozesse mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zusammenhängen. Dazu werden Beiträge aus der Germanistik, Geschichts- und Tanzwissenschaft mit ethnologischen und psychologischen Theorien zu Gedächtnis und Verkörperung vereint. Die ausgewählten Fallbeispiele behandeln dabei Spannungsverhältnisse und Aushandlungsprozesse im europäischen Theatertanz, bei liturgischen Tänzen im mittelalterlichen Europa, beim höfischen Tanz im Ancien Régime, beim Straßburger Akademietheater zu Beginn des 17. Jahrhunderts, bei kontemporären, nordindischen Ritualpraktiken und aktuellen Praktiken der Systemaufstellung in Deutschland. Dadurch lässt sich ein umfassendes Bild der Stellungen performativer Institutionen zu verschiedenen Zeitpunkten an verschiedenen Orten der Welt zeichnen. Die performative Aneignung und Ausführung von Wissen in Ritualpraktiken wird hier ebenso wie – umgekehrt – die ritualisierte Aneignung und Ausführung performativer Praktiken aus historischer, ästhetischer und psychologischer Sicht beleuchtet.

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Musik – Politik – Identität (15. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Musikforschung: Freie Referate, Band 3)

Herausgegeben mit Matthew Gardner. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen 2016

Musik ist immer auch Spiegel und Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Paradigmen und politisch-nationaler Identitätsdiskurse. Der vorliegende Sammelband vereint Beiträge zu historischen und gegenwärtigen Fragestellungen, die um das Verhältnis von Politik und musikalischem Schaffen kreisen.Im ersten Teil sind Beiträge zusammengefasst, die sich mit „Musikalischer Identität und politischer Realität“ befassen und dabei ideologische Zuschreibungsprozesse im Musikdiskurs thematisieren. Der zweite Teil des Bandes umfasst Betrachtungen über „(Musikalische) Konstruktionen von eigener und fremder Identität“ aus verschiedensten nationalen Zusammenhängen.

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Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung, 11, 2014 // 3: Oper und Film // Opernfilm

Herausgegeben mit Tarek Krohn, Willem Strank et al., Kiel 2014

Schon bevor der Film sprechen lernte, fand die Oper ihren Weg auf die Leinwand – in seiner Verfilmung von Georges Bizets CARMEN (1918) ließ Ernst Lubitsch gleichwohl Stummfilmschauspieler dem Libretto gemäß agieren. Die Bandbreite an Filmgenres, die sich der Oper als theatraler Gattung, als gesellschaftliches Ereignis oder soziales Attribut bedienen, ist spätestens seit Beginn der Tonfilmära kontinuierlich gewachsen und reicht von Komödien wie A NIGHT AT THE OPERA (1935) über Opernfilme wie Walter Felsensteins FIDELIO (1955) oder Franco Zeffirellis LA TRAVIATA (1982) bis hin zu Produktionen wie Jonathan Demmes PHILADELPHIA (1993) oder Woody Allens Film TO ROME WITH LOVE (2012). Musik aus Opern, die hier als soziales, emotionales oder auch satirisches Narrativ eingesetzt wird, bereichert dabei die Bildebene um das, was sie in ihrem originären Kontext bedeutet und eröffnet Interpretationsräume, die weit über die eigentliche Filmhandlung hinausweisen.

In der elften Ausgabe der Kieler Beiträge zur Filmmusikforschung widmen sich die Autoren den unterschiedlichen Aspekten der Synthese von Film und Oper und decken dabei eine filmhistorische Palette ab, die von den Experimenten der Stummfilm-Ära bis zur Rolle des Films in modernen multimedialen Operninszenierungen reicht.

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Die politische Bühne. Ballett und Ritual im Jesuitenkolleg Louis-le-Grand 1701–1762

Erschienen bei Königshausen & Neumann 2012

Die öffentlichen Ballettaufführungen des Pariser Jesuitenkollegs Louis-le-Grand waren im 17. und 18. Jahrhundert ein wahrer Publikumsmagnet. Im Rahmen des alljährlichen Preisverleihungsrituals zum Schuljahresabschluss im August wurde hier auf so hohem Niveau getanzt, dass man den Vergleich mit der Académie royale de musique nicht zu scheuen brauchte – schließlich waren die professionellen Tänzer, Choreographen und Komponisten derselben an den Produktionen für die Jesuitenschule maßgeblich beteiligt. Anhand der bislang kaum beachteten Ballettszenarien des 18. Jahrhunderts wird in dieser Studie erstmals systematisch untersucht, wie dabei Tugenden und Werte im Sinne jesuitischer Pädagogik vermittelt wurden und wie sich politische Implikationen manifestierten: Der Topos der Nation wuchs im Laufe der Jahrzehnte auch in den Balletten für Louis-le-Grand zu einer politischen Größe heran. So spannen die Ballette mit ihren Zeitkommentaren und tagesaktuellen Bezügen in der Gesamtschau einen großen narrativen Bogen, anhand dessen sich die Geschichte Frankreichs nacherzählen lässt – und die des Verhältnisses der Jesuiten zu König, Land und dem theaterfeindlichen Jansenismus, dessen Vertreter für die Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich 1762 mit verantwortlich waren.

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Tanz vermittelt – Tanz vermitteln. Tanzforschung 2010

Herausgegeben mit Helga Burkhard. Berlin: Henschel 2010

Tanz wird in vielerlei Kontexten gelernt und gelehrt, aufgeführt und aufgenommen. Wie und wodurch aber wird das Körper- und Bewegungswissen vermittelt? Die in diesem Band versammelten Beiträge sind breit gefächert und beleuchten aus historischer, ästhetisch-künstlerischer, pädagogischer und therapeutischer Perspektive die verschiedenen Möglichkeiten der bewegten und bewegenden Kommunikation. Die Betrachtungsansätze reichen dabei vom Bühnentanz des 19. Jahrhunderts und das Rollenverständnis im Gesellschaftstanz über die Tanzvermittlung in Schule und öffentlichem Raum bis hin zur analytischen Bewegungstherapie.

Der Band dokumentiert das Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung an der Fakultät für Sportwissenschaft der Technischen Universität München vom 23.–25. Oktober 2009.

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Bewegte Propaganda. Politische Instrumentalisierung von Volkstanz in den deutschen Diktaturen

Erschienen bei Königshausen & Neumann 2010

Seitdem sich die Forschung im ausgehenden 19. Jahrhundert dem Volkstanz zugewandt hat, sind vielerlei Definitionen desselben formuliert, revidiert und präzisiert worden. Die Ansichten darüber, was denn Volkstanz eigentlich sei, gingen und gehen dabei weit auseinander. ‚Volkstanz‘, das war und ist eine durchlässige Größe, und entsprechend groß fällt die allfällige Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit aus. So ist jener überaus uneinheitlich definierte ‚Volkstanz‘ immer irgendwie politisch und kann nur in seinem historischen Kontext verstanden werden. Mit dem ‚Dritten Reich‘ und der Deutschen Demokratischen Republik nutzten zwei – zugespitzt formuliert – ideologisch konträre Regimes mit dem Volkstanz dasselbe Mittel zur Inszenierung und politisch-ideologischen Manipulation der Volksgemeinschaft bzw. Volksmasse. Die vorliegende Studie untersucht die konkreten Bezüge zwischen Körperbildern und politischer Ideologie, Massenveranstaltungen und nationaler Gemeinschaft, fragt nach dem Einfluss des Diskurses um diese Denkfiguren und kulturellen Praktiken auf den Volkstanz und analysiert die Begriffsentwicklungen in den beiden Untersuchungszeiträumen. Damit werden nicht nur evidente Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgefiltert und durchleuchtet, sondern im Ergebnis auch Kontinuitäten zwischen den beiden untersuchten Systemen aufgezeigt.

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Die Ballets Russes auf biblischen Pfaden. Von der Josephslegende zum Verlorenen Sohn

Erschienen bei Books on Demand 2007

Als große Publikumserfolge der Ballets Russes stehen die Josephslegende (1914) und der Verlorene Sohn (1929) für die ungebrochene Aktualität biblischer Lehren - die bis heute währende Rezeptionsgeschichte und die vielen Neuauflagen beweisen die anhaltende Gültigkeit ihres Inhalts ebenso wie diejenige der Choreographien Fokines und Balanchines als Meilensteine der Ballettgeschichte, auf die noch immer rekurriert wird. Hanna Walsdorf nimmt das intermediale Geflecht von Bibeltext und Libretto, aus Musik, Bühnen- und Kostümgestaltung sowie den choreographischen Konzepten Fokines und Balanchines in den Fokus. Anhand der Frage, wie und in welchem Maße diese einzelnen Bausteine aufeinander und insbesondere auf den Bibeltext Bezug nehmen, wird der Diskrepanz zwischen Ausgangstext und seiner interpretierenden Übersetzung in Tanz nachgespürt.

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