Profil des Instituts

Was lehrt und erforscht TW in LE?

Theater als Praxis, Kunstform und Institution ist ein Bestandteil von Kulturen. Die historische und regionale Ausdifferenzierung dieses Kulturbestandteils untersuchen wir in ihren Strukturen, Formen und Funktionen. Wir betrachten alle Spezifikationen von Theater – wie Oper, Tanz, Schauspiel, Puppenspiel – ebenso wie theatrale Praktiken innerhalb und auch außerhalb des institutionalisierten Theaters – etwa die Inszenierung des Politischen, die Ästhetisierung des Alltags, Formen der gesellschaftlichen Selbstdarstellung und der Ritualisierung, Reenactments historischer Ereignisse oder öffentliche Spektakel.

 

Das Profil der universitären TW in LE

TW in LE erforscht Theater in allen seinen Erscheinungsformen auf den Ebenen der Historiographie, der historischen Anthropologie und der Intermedialität, wobei diese Ebenen als miteinander korrespondierende verstanden werden. Der aus der historisch-kritischen Forschung gewonnene Begriff von Theater als kulturelle Praxis umfasst alle entsprechenden rituell-spielerischen, sozialen und artifiziellen Praktiken außerhalb und innerhalb der historisch veränderlichen Institution Theater – bezogen auf die gesamte Geschichte und nicht allein auf einzelne Epochen. Untersucht werden nicht nur schriftliche Dokumente bzw. Werke der Überlieferung, sondern auch Akteure, Praktiken und Mittel, das heißt oral, leiblich-körperlich und in Bewegung manifestierte Erscheinungen und Schaustellungen.

Verschiedene Modi theatraler Äußerungen und Praktiken bilden einen wichtigen Faktor im transkulturellen Kommunikationsgefüge europäischer und nicht-europäischer Kulturen, Gemeinschaften und Gesellschaften. Mit dem Erkenntnis-Instrument „Theatergefüge“ wird erforscht, wie sich solche theatralen Praktiken – in jeweils spezifischen kulturellen Situationen – mit anderen Praktiken verbinden, mischen, sich verselbständigen oder von ihnen abgrenzen, wie zum Beispiel in Relation zu religiösen, popularkulturellen, machtpolitischen oder medialen.

Der erreichte Stand der Grundlagenforschung bezieht sich insbesondere auf die Erforschung von Basiselementen – wie Strukturfiguren und Figuren/Masken in Relation zu Person, Individuum, Subjekt und Subjektivität, Metamorphosen in Abhängigkeit von Mensch-Tier-Beziehungen, Aktionsformen und deren dramaturgischer Niederschlag, Gestikulation und kulturelle Instituierung der Geste, die materiell-physischen und physiologischen Grundlagen der Bewegung, die Relationen von Raum/Zeit-Versionen, Körperbewegung und Status von Figuren, visuelles Erscheinen und Bild, Medium und Medialität und anderes mehr.

Einmalig in der deutschsprachigen Theaterwissenschaft ist die umfassende und intensive Verbindung von Gegenwartstheater und Theatergeschichte in Forschung, Lehre und Praxis. Dem entsprechen in methodischer Hinsicht die gemeinsam vertretene Perspektive der Historizität und das Verfahren des Historisierens, in kritischer Relativierung von überkommenen Mustern, Werten und Institutionen ebenso wie von kurzfristig ausgerufenen Paradigmenwechseln der Forschung. Die Geschichtlichkeit gegenwärtiger (trans-)kultureller Praxis und die Gegenwärtigkeit von Geschichte werden exemplarisch reflektiert, unter anderem durch die Publikationsreihe „Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung“, die drittmittelgeförderten Forschungsprojekte zu Beständen des Tanzarchivs Leipzig (zu Körperpolitiken in den Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts und in der DDR) sowie zum Verhältnis von Arbeit und Rhythmus und das DFG-Forschungsprojekt „Das Theater der Wiederholung“ zu paradigmatischen Formen der Aneignung von Vergangenheit.