Prof. em. Dr. Gerda Baumbach

Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 2 Historien

Gerda Baumbach. Leipzig: Universitätsverlag 2018

Kriterien für Schauspielerkunst fallen nicht vom Himmel, doch gerade in jüngster Zeit haben Schauspieler*innen sich zu ihrem Beruf erklärt. Sophie Rois schätzt im Theaterspiel »Form«, »gedankliche Schärfe«, »historisches Bewusstsein«, »Tradition«, »Anarchie«. Gern aber werden Schauspieler auch einfach als Darsteller gehandelt. Nun hat sich ein Schauspieler gewehrt: Fabian Hinrichs unterscheidet zwischen »souveränem Schauspieler« und »Dar-Steller«, »Dar-Geher«, »Dar-Steher«. Die Unterscheidung wäre unwichtig, hätte sie nicht triftige Gründe, die umso nach drücklicher hervortreten, geht man ihnen auch historisch nach.
Dieser Band ist ein Buch über Glück. Er erzählt Historien von der jahrhundertelangen europäischen Auseinandersetzung, die den Darsteller stets aufs Neue gegen den Comödianten in Stellung bringt. Im lebendigen physisch-materiellen Zusammenhang von Menschsein und Schauspieler scheint ein Grund zu liegen, dass allein der Darsteller Akzeptanz findet. Als Stellvertreter der Werte passte man ihn in die Systeme der Ordnung, Beständigkeit und des rechten Maßes ein. Erzählt wird die Geschichte einer Anpassung, die doch stets als das Neue auftritt: von der »süßen Täuschung« der Zuschauer über die Wahrhaftigkeit bis zum Authentischen in den Darstellungen.
Der Akteur als Artist aber verschwindet nicht. Zur Freude des Publikums kommt er immer wieder dreist und aufmüpfig um die Ecke. Auf die in Band 1 schon gestellte Frage nach dem Schauspielerischen eigener Art antwortet ein gewisser M. Don Arlequin im dritten Kapitel mit einem »Nichts von Herzen«. Hier bedient sich das Double Figur / Akteur des Verfahrens vom Sagen durch Nichtsagen, das der Techniken und Mittel der Schauspielerkunst bedarf.

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Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 1 Schauspielstile

Leipzig: Universitätsverlag 2012

 

Schauspieler regen unsere Phantasie an. Wie machen sie das? Nicht immer gleich. Weder Mensch noch Schauspieler erschöpfen sich in scheinbar ewig währender Beständigkeit und Gleichförmigkeit. Aus historischen und kulturellen Vergleichen treten erhebliche Unterschiede der Auffassungen vom Menschen sowie vom Schauspieler und seinem Tun hervor. Theorien über den Schauspieler entstehen in Folge anthropologischer Konzeptionen und Menschenbilder so wie umgekehrt Schauspielen an Menschenbildern mitwirkt oder diese hinterfragt und in praxi umspielt.
Die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert dominante Übereinkunft vom Schauspieler als Menschendarsteller wirkt weiter. Doch in Gegenwart und Vergangenheit ist die Praxis vielfältig. Verzauberung, Vergnügen und Faszination sind nicht verflogen. Was also ist Schauspielen?
Das Buch legt in Stichproben seine Vielfalt offen und beschreibt drei historische Schauspielstile, die in Wechselbeziehung mit Seinsweisen und anthropologischen Konzeptionen zur Geltung kamen.
Seit der Theatermoderne des 20. Jahrhunderts gibt es in Folge des als fragil anerkannten Subjekts Rückgriffe auf historische Stile, nun in vielfachen Kombinationen, Mischungen oder Synthesen. Das Erinnern an die Schauspielstile und damit an verschiedene Verfahren des Erkennens und Wissens von menschlichem Sein kann gerade für die Schauspielerpraxis in der Gegenwart hilfreich sein. Der Weg des Erinnerns führt zur Suche nach einem eigentümlich »Schauspielerischen«, das lange Zeit als des Teufels galt.

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Auf dem Weg nach Pomperlörel – Kritik »des« Theaters (Hg.)

Leipzig: Universitätsverlag 2010 [Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung, Bd. 2]

Dieser Band ist gewidmet dem Andenken an den Theaterhistoriker Rudolf Münz und präsentiert dessen letzten Aufsatz aus dem Jahre 2006, der die Probleme der Theater(geschichts)wissenschaft bilanziert und für Deutschland thematisiert.
Der Titel „Auf dem Weg nach Pomperlörel“ verweist auf einen Pfad der Phantasie zum theaterhistorischen Gesamtfeld Natur/Mythos – Historie/Geschichte: auf den Spuren traditioneller Theaterfiguren schreiben die Autoren die Kritik »des« Theaters (als Drama, Aufführung etc.) fort. Der Band versammelt Aufsätze bekannter europäischer Theaterhistoriker und vielversprechende Beiträge von Nachwuchswissenschaftlern.
Die Studien führen zu Variantenreichtum und Gefügen europäischen Theaters. Sie ermöglichen Begegnungen mit der weithin unbekannten deutschen Comödie mit Hanswurst, mit dem europäischen Spielraum der italienischen Comödie und ihrer Figuren, mit dem Ende von Traditionen, aber auch mit deren Fortleben bei Nestroy oder ihrer Wiederbelebung durch Meyerholds (Re-)Konstruktion der Schauspielkunst, mit Berninis Schaffen zwischen dem Theater des Papstes und dem zentralperspektivischen Kunsttheater im barocken Rom, mit den verschwiegenen und stillen Familienverhältnissen der Oper und mit der vergessenen Kultur- und Theatergeschichte im Umfeld von Maske und Person(a) sowie mit den Verwandtschaften des Don Juan und ihrem Platz beim Gastmahl mit den Toten.
Themen wie diese verdanken sich neuen Wegen der Theaterhistoriographie, die sich aus dem Umdenken nach 1968 eröffnet hatten und seither weitergegangen werden. Sie verstehen sich als Versuche, die Überlieferung an ihre aktuelle Brisanz zurückzubinden.

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Theaterkunst & Heilkunst. Studien zu Theater und Anthropologie (Hg.)

Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2002

Eine Reisebeschreibung der Stadt Leipzig aus dem Jahre 1769 berichtet von den "Merkwürdigkeiten" vor dem Peterstore, wo es zur Messe wie in einem "Lustlager" zugehe. Den Ärzten und ihrem Comödienspiel sei aber eine gewisse Nützlichkeit, gerade in einer Universitätsstadt mit ihren vielen Melancholikern und Hypochondristen, nicht abzusprechen. Solchen "Ärzten" wurde der Medikamentenhandel gestattet, das "comoedien-spil" hingegen immer erneut verboten, obwohl gerade dieses Bestandteil ihrer Kuren war. In der Verbindung mit Heilkunst liegt eine der Quellen für das Entstehen der berufsmäßigen Schauspielkunst im 16. Jahrhundert in Europa. Dieses Buch geht in Einzelstudien dem eigentümlichen Zusammenhang von Heilen und Schauspielerei nach, der bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts praktiziert wurde, und zieht auch außereuropäische Vergleiche heran. Es ist ein Feld, auf dem Medizin, Theater und Religion in einem weiten Sinne ineinander greifen.

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Seiltänzer und Betrüger? Parodie und kein Ende. Ein Beitrag zur Geschichte und Theorie von Theater

Tübingen, Basel: Francke Verlag 1995
(zugl. Habil.-Schr., Universität Wien 1993)

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Publikationsliste zum Download:

PublikationenProfBaumbach_210119.pdf