Nô-Theater

Am Do, 19. August 2004, wurde in einem Vortrag und einer zweistündigen Vorführung das traditionelle japanische Theater Nô vorgestellt. Nach langer Zeit sind wieder japanische Nô-Spieler in Leipzig aufgetreten.
Nô ist eine über 600 Jahre alte Form des Maskentheaters, in dem, wie in der europäischen Oper, die Stoffe in lyrischer Form, oft märchenähnlich und aus Mythen entlehnt, gesungen werden. Das Nô besitzt neben verschiedenen Rollenfächern einen Chor, Musiker und eine besondere tempelartige Bühne. Die Tänze und Gesangspassagen der führenden Maske Shite stellen den Höhepunkt des Nô dar. Dabei liegt die Faszination des Nô-Shite vor allem in seiner aufwendigen (Ganzkörper-) Maske begründet, zu der neben der Gesichtsmaske aus lackiertem Holz, der Bewegungstechnik / Bewegungspartitur, auch die hochwertigen Seidenkostüme gehören.
Durch die Vermittlung des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig und des Tsubouchi Memorial Theatermuseums der Universität Waseda, Tôkyô, hat der bekannte Nô-Kostümmeister YAMAGUCHI Akira die Kunst historischer Nô-Kostüme und ihre Reproduktion mit traditionellen Materialien und Methoden erläutert.
Anschließend gaben Nô-Spieler um SHIOTSU Akio Kostproben des Nô in Demonstrationen.
Es wurden verschiedene Ganzkörpermasken / Figuren des Nô vorgestellt, bei denen Yamaguchis Kostüme Verwendung fanden, darüber hinaus Tänze des Nô, sowie die besondere Bühne mit ihren rituell verankerten Funktionen.
Eingeladen wurde auch zu vorangehenden Vorträgen von Theaterwissenschaftlern aus Tôkyô im Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig, Ritterstr. 16, Hörsaal:
HASEGAWA Etsuro:
Zur Geschichte der Theaterwissenschaft in Japan
MARUMOTO Takashi:
Das Frauenensemble Takarazuka. Tradition und Gegenwart
Günter ZOBEL:
Maskenmuseum und Maskentradition in Hahoe bei Andong/Korea

Begrüßung der japanischen Delegation zu einem kleinen Frühstück. Frau Prof. Baumbach im Gespräch mit Prof. Ito (rechts), dem ehemaligen Leiter des Theatermuseums der Universität Waseda, und Prof. Akiba (mitte), dem amtierenden Vize-Direktor des Theatermuseums.

am Büffet

Ein Blick aufs Büffet.

Beginn der wissenschaftlichen Vorträge: Dr. Hasegawa Etsuro spricht über die Entwicklung der Theaterwissenschaft in Japan

Prof. Marumoto Takashi spricht als zweiter Vortragender über die japanische Frauenrevue Takarazuka, in der seit über 90 Jahren nur Frauen sowohl Männer- als auch Frauenrollen spielen.

Prof. Günter Zobel berichtet von seiner Forschungsreise nach Korea, bei der er das koreanische Maskentheater in Hahoe bei Andong auf seine Verwandtschaft und die möglichen Gemeinsamkeiten zum japanischen traditionellen Theater untersuchte.

Dabei spielt der Vergleich alter Gesichtsmasken, wie hier zu sehen, sowohl bei der Forschung ...

... als auch bei der Präsentation der Ergebnisse eine große Rolle.

Schon bei den wissenschaftlichen Vorträgen am Vormittag war der Hörsaal sehr gut gefüllt. Auch Vertreter der Stadt Leipzig, hier Dr. Ingo Nentwig vom Völkerkundemuseum zu Leipzig, waren anwesend.

Gegen 14 Uhr begann der einführende Vortrag zur Reproduktion historischer Nô-Kostüme mit traditionellen Methoden durch den Kostümmeister YAMAGUCHI Akira. Für den darauf folgenden Auftritt der Nô-Spieler um den Meister SHIOTSU Akio war ein spezieller und in dieser Form in Leipzig neuer Bühnenaufbau nötig: Die Bühne maß 5 m im Quadrat, begrenzt an den vier Ecken mit Pfosten, die zur Orientierung der maskentragenden Spieler dient. Auf der linken Seite führt eine (hier nur kleine) Brücke von der Bühne ab, sie ist ebenfalls ein wichtiger Auftrittsort für die im Nô sehr detaillierten Auf- und Abgänge. Nô-Meister Shiotsu Akio probte vor Einlaß mit Gesichtsmaske und ohne Kostüm auf der Bühne, da er die Größe der Bühne im Spiel selbst erspüren muß. Die Gesichtsmaske gibt nur einen sehr kleinen Sehbereich frei.

Blick ins Publikum in der überfüllten Veranstaltungstonne der Moritzbastei Leipzig.

Begrüßungsrede in der Moritzbastei durch die Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Leipzig, Frau Prof. Dr. Schubert

Vorstellen des Kostümmeisters Yamaguchi Akira durch den Moderator Tom Grigull.

Meister Yamaguchi erklärt in einfachen Worten und für alle sicht- und fühlbar den Unterschied zwischen der heute verbreiteten Seide und alten Sorten, die er selbst aus entlegenen Regionen Japans besorgt hat, um damit eine kräftige und glänzende Seide zu bekommen, wie sie für die alten Nô-Kostüme ebenfalls verwendet wurde. Er züchtet selbst auf seiner Farm in der Nähe von Kyôto über 10 verschiedene Seidenraupenkulturen.

Anschließend erklärt Yamaguchi den Aufbau des für die Kostüme verwendeten Seidenbrokats und seine symbolische Bedeutung. So stehen rote Farbtöne, verbunden mit entsprechenden Blumenmotiven für eine junge Frau. Auch die Farben stellt Yamaguchi aus selbstangebauten Pflanzen bzw. Mineralien selbst her.

Ganz ohne Worte stellt sich SHIOTSU Akio mit einem Shimai, einem Nô-Tanz aus einem Krieger-Nô, das durch den Gesang zwei junger Nô-Spieler begleitet wird, vor. Dabei wird im Gegensatz zum eigentlichen Nô selbst kein Kostüm und keine Gesichtsmaske, sondern neutrale Bühnenkleidung getragen. Moderator Tom Grigull gibt eine Einführung zu Meister Shiotsu Akio ...

der sich anschließend mit einem kurzen Vortrag selbst an das Publikum wendet. Darin gibt er einen Einblick in seine Kunst, führt auch eine Frauenmaske vor.

Dem Vortrag folgte eine Ankleidedemonstration, bei der ein Freiwilliger auf der Bühne zusammen mit den Spielern diesen sonst dem Publikum verborgenen Vorgang zeigte. Unter dem Nô-Kostüm trägt der Spieler ein neutrales Seidengewand, das eng am Körper anliegt, es soll auch verhindern, daß Schweiß zum Kostüm selbst durchdringt.

Im Nô wird für Frauenrollen eine Perücke getragen. Meister Shiotsu erklärt die verschiedenen Möglichkeiten, die Haare zu kämmen und zu frisieren und damit wiederum verschiedene Bedeutungen zu erzeugen. Glattes Haar steht hier für eine junge Frau, wild zerzaustes Haar kann auf einen Dämon der Eifersucht hinweisen.

Nachdem dem Freiwilligen ein weiters leichtes Übergewand angezogen wurde, kann er schon die Gesichtsmaske aus Holz aufgesetzt bekommen.

Das schwere Überkleid, ein Karaori aus Seidenbrokat, kann sowohl um die Hüfte gebunden getragen werden, das ist nötig für eine größeren Umfang von Armbewegungen bei Tänzen, als auch vollständig oder nur auf einer Schulter getragen werden.

Mit dem vollständigen Theaterkleid der Himmelsfee aus dem Nô Hagoromo (Das Federgewand) und der Frauenmaske auf dem Gesicht probiert der Freiwillige unter den Augen der Spieler seine ersten Schritte auf der Bühne.

Anschließend wird er nach seinen Eindrücken befragt. Sehr heiß sei es in dem Kostüm, das auch sehr schwer ist, und man könne wirklich nur sehr wenig durch die Maske hindurch sehen.

Nach einer Pause tritt dann Meister Shiotsu selbst auf. Er spielt die besagte Himmelsfee im zweiten Teil von Hagoromo.

Das rote Oberkleid besteht aus einer Seidengaze auf die Goldfäden gestickt sind. Sie haben hier die Form von Federn, stellen das Himmelsgewand dar, das im Mittelpunkt dieses Nô steht.

Der Kopfschmuck ist sehr aufwendig, auch der Tanzfächer, der ebenfalls ein wichtiges Element ist, ist auch sehr reich verziert.

Langsamer Abgang der Fee.

Empfang im Weinabteil des Ratskellers im Neuen Rathaus durch die Stadt Leipzig. Begrüßung und Ansprache durch den Kulturreferenten der Stadt, Herrn Dr. Girardet.